Dienstag, 21. August 2007

Schande auf mein Haupt ...

..., dass es so lange gedauert hat, bis ich meinen Blog mal wieder aktualisiere! Aber irgendwie bin ich ständig unterwegs und komme kaum zur Ruhe.
Nächsten Montag starten meine Vorlesungen und ich denke, dass mein Tagesrhythmus dann etwas regelmäßiger wird. Auch wenn das an sich schon wieder schwierig ist, weil ich hier das Unisystem noch nicht ganz durchschaut habe. Schön ist erstmal, dass alles zentral organisiert übers Internet läuft: registrieren für die Kurse, Prüfungsanmeldung, Studenplanerstellung und alles andere rund um die Vorlesungen. Aber es ist nicht wie in Braunschweig, dass man jedes Fach immer zur gleichen Zeit und am gleichen Wochentag das ganze Semester durch hat. Nein, hier hat man jedes Fach jede Woche unterschiedlich oft und zu unterschiedlichen Zeiten. Also is´ nix mit Stundenplan im Kopf haben und dann nur noch hingehen. Jeden Tag erneut raussuchen, wo habe ich wann und wie lange welches Fach. Das mögen die Schweden toll finden, ich eher verwirrend.
Aber die schwedischen Studenten
sind selbst schon verwirrend. Die aus den höheren Semestern marschieren derzeit in ganz komischen Verkleidungen über den Campus. Leider fehlt mir noch ein Foto davon (werde ich noch nachliefern). Am Anfang haben wir echt nen Schrecken bekommen, wie die hier rum laufen; mittlerweile schaut man denen nur noch lachend hinterher.
Die erste Woche waren wir als Austauschstudenten noch fast alleine hier und alles war so leer. Seit letzter Woche sind nun - wie wir vermuten - quasi alle Studenten da. Der Campus ist total voll und überall stehen R
äder. Die Uni hat ca. 26 000 Studenten (also mehr als das Doppelte von BS), wobei ein Teil von diesen noch auf zwei andere Campi verteilt sind und jeder einzelne von diesen fährt Rad. Alles etwas chaotisch; aber so eine Campusuni ist schon was schönes.

Um euch nicht nur mit irgendwelchen Blabla zu langweilen --> hier noch ein paar lustige Dinge:

Die Mensa am Campus ist relativ teuer und so bringt sich hier jeder sein Essen mit. Das mag erstmal ganz normal klingen, ist es aber nicht. In vielen Gebäuden auf dem Campus gibt es Räume, wo ganz viele Mirkowellen stehen. Mittagspause ist immer von 12 bis 13 Uhr. Dann sind diese Räume quasi überfüllt. Jeder packt seine IKEA-Mirkowellen-geeignete-Dose mit vorgekochtem Essen vom Vortag aus und macht sich dieses dort warm. An den ersten Tagen hatten wir noch unsere Brote mit und fanden das extrem lustig; aber mittlerweile haben wir uns schon angepasst. Ist ja eigentlich gar keine so schlechte Idee und sehr schön, dass diese kostengünstige Möglichkeit von der Uni zur Verfügung gestellt wird.

Eine zweite Eigenheit der Schweden ist das Queuing (in einer Warteschlange anstehen):
Das Queuing scheinen die Schweden echt toll zu finden. In einer Warteschlange stehen kennt man ja auch aus Deutschland; aber hier darf man dafür überall Nummern ziehen, ob in der Bank, der Apotheke oder sogar an der Uni(!!!), wenn es um offizielle Dinge geht.
Wenn Tickets für Unipartys (werden hier "Kravall" genannt) verkauft werden, dann zählt nur: Wer zuerst da ist, bekommt das erste Ticket und wer zuspät kommt eben keins.
Bei einer Einführungsveranstaltung wurden wir von einer der Auslands-Koordinatoren aufgeklärt: Es ist erlaubt in den Gebäuden über Nacht zu bleiben, es darf aber NICHT geschlafen werden. Sie sagte, dass ihr Rekord !! 18 Stunden !! Queuing für eine begehrte Kravall-Party sei. Wir haben das mehr oder weniger für einen Scherz gehalten, aber mittlerweile glaube ich alles, was in diese Richtung geht.
Derzeit haben wir nur für Tickets für kleine Veranstaltungen angestanden (war nie länger als eine Stunde). Ich werde darüber berichten, wenn ich mal in den Genuss kommen sollte, eine Nacht wach an der Uni zu verbringen, nur weil ich zu einem bestimmt Kravall hin möchte.
Über meinen ersten Kravall könnt ihr allerdings demnächst schon mehr erfahren. Am Mittwoch ist hier der erste des Semesters: Münchens Hoben genannt! Bin schon sehr gespannt wie das wird:)!!!


Und nun noch als letztes die Student´s Dinner:
Vorletzten Samstag gab es ein Dinner quasi als Einführung. Nachdem wir in der Woche vorher für Tickets angestanden hatten:), wussten wir noch nicht so genau, was uns erwartet. Aber das sollten wir noch früh genug erfahren:
Wir saßen mit knapp 100 Studenten eng aneinandergedrängt in einem super warmen Raum. Diese Umstände sind nicht typisch, sorgten aber dafür, dass wir alle nur am Schwitzen waren und wäre es nicht so lustig gewesen, hätte das die Stimmung in den Keller gezogen.
Aber nun mal in etwas geordneter Abfolge:
Jeder hatte auf seinem Platz ein Heft liegen mit einer Beschreibung, was ein Student´s Dinner ist, was so passieren wird und welche z.T. sehr versauten Lieder gesungen werden. Und uns wurde schon angekündigt, dass wir bestimmt schockiert sein werden. Nachdem uns lautstarke Zwischenrufe beigebracht wurden, gab es zu Beginn eine Art Erbseneintopf. Nach den ersten Trinkliedern - hauptsächlich auf Schwedisch - führten Johanna, Anna, Anders und Sandra (vier vom ESN-Team) ein paar lustige Sachen auf. Es waren umgetextete Lieder zu bekannten Melodien, deren Inhalt sich um Austauschstudenten drehte: Was macht er so, wie komisch findet er die Schweden, wie oft meldet er sich bei seinen Eltern und wir lange halten die Beziehungen zu Freund bzw. Freundin zu Hause. Das ganze war super heiter. Nachdem die vier uns also in Stimmung gebracht hatten, fanden sich so nach und nach kleine Gruppen zusammen, die in ihrer Landessprache "Trinklieder" vorführten. Deutsch ("Bommerlunder" und "Einst ging ich am Ufer der Donau"
) war ja zu verstehen; die Österreicher auch noch fast; die Italiener und Spanier eher weniger, aber die Stimmung wurde immer besser und eigentlich wurde nur gelacht und versucht mitzusingen.
Zum Abschluss gab es dann noch kleine Pfannkuchen mit Sahne und Marmelade und während des Essens Punsch. Das Essen soll an Traditionen aus dem Mittelalter erinnern und der Punsch ist allgemein sehr beliebt.

Soviel erstmal zu meinen Erlebnissen hier! Ich hoffen, es langweilt euch nicht zu sehr und ihr guckt hier ab und zu nach, ob was neues dazu gekommen ist:)!

3 Kommentare:

Simon Herbertson hat gesagt…

Ich bin auf nem Foto drauf :)
Bin ja mal gespannt, was du von unserem Trip erzählst... Ob da deine Albträume auch vorkommen... :)

Manga hälsningar, Simon

Anonym hat gesagt…

Das klingt ja alles sehr, sehr spannend! Die Idee mit den Mikrowellen finde ich super, auch wenn der Raum ziemlich spacig aussieht ;)

Bin auf deine weiteren Abenteuer gespannt und wünsche dir einen guten Start nächste Woche!

Liebe Grüße
Aglaja

Family Hoegen hat gesagt…

Hey Geselchen,

na das freut mich ja, hier einige Erasmuserinnerungen wieder aufleben zu lassen, ach ja, was war's doch schön - wenn auch in Spanien statt in Schweden ;-).

Dieses konstante "Keine-Zeit-Haben" kenn ich auch nur zu gut - ich kan Dir schon mal sagen, das regelt sich auch nicht wieder ein! :)

Ach so und gute Aglaja, das ist ja auch Sinn der Sache, dass der Raum spacig aussieht - da stehen so Maschinenbaustudenten wie wir drauf ;-))

Okqay, Gesa, ich wünsch Dir viel Spaß weiter und mach's gut!

Mathias

PS: Danke auch für Deinen Kommentar auf meinem eigenen Blog :-)